Eine Geschichte entsteht: Figuren

Vom Finden und Erfinden

Im Leben finde ich Menschen oder sie finden mich. Wenn es passt, dann kann daraus eine tragende Freundschaft werden. Wenn es nicht passt, trennen sich die Wege wieder.

In Geschichten erfinde ich Figuren. Sie haben oft Ähnlichkeiten mit realen Menschen. Die eigene Erfahrungs- und Erlebniswelt dient als Inspiration. Beim Erfinden von Figuren kann ich in ähnliche Fallen tappen wie ich dies manchmal tue, wenn ich Menschen kennenlerne. Ich vereinfache, schiebe sie in meine Schubladen und bilde mir rasch eine Meinung. Entwerfe ich eine Figur für eine Geschichte, muss ich der Versuchung widerstehen, in den Kategorien gut-böse, sympathisch-unsympathisch zu denken. Solche Figuren sind langweilig. Wir kennen sie aus Märchen. Über meine Figur muss ich zudem alles wissen. Da gehören Charaktereigenschaften und optische Merkmale genauso dazu, wie ihre Herkunft, ihre Lebensaufgabe oder einen Wunsch. Wenn die Figur zudem noch eine besondere Eigenschaft oder ein Geheimnis hat, sorgt das für Spannung.

Seit einigen Wochen lebe ich mit der Figur des Restaurators. Ich kenne seinen Namen, wer die Geschichte liest, kennt ihn am Anfang nicht und weiss auch nicht, weswegen er seinen Namen zurückgelassen hat. Der Restaurator restauriert Möbel und sagt dazu, dass sie mit ihren Geschichten seine neue Familie sind. Weswegen ein Mensch ohne Namen vorwiegend mit Möbelstücken lebt, die er restauriert, das erzählt diese Geschichte.

Malex ist auch eine Figur, die ich erfunden habe. Von Beruf Clown hat er den Wunsch, auf Beerdigungen zu spielen. Wie er zu diesem speziellen Anliegen kommt und ob es ihm gelingt, das verrate ich natürlich nicht.

Dann habe ich noch Lea und Silva erschaffen. Die Frauen stammen aus zwei unterschiedlichen Geschichten. Während Silva sehr dominant, gewissenhaft und streng ist, ist Lea eher locker und unverbindlich. Silva zeigt durch eine Begegnung eine andere Seite von sich. Und Lea ist in Wirklichkeit nicht ganz so oberflächlich, wie es am Anfang den Anschein macht. Beide Frauen entwickeln sich während der Geschichte, was ihnen gut steht und sie sympathischer macht.

Weder Lea, Silva, Malex noch der Restaurator leben schon in fertigen Geschichten. Das braucht noch Zeit. Ich habe ja auch noch eine eigene Lebensgeschichte, die weitergeschrieben und weitererzählt werden will. Und meine Person lerne ich auch ab und zu neu kennen.

Und, was soll ich sagen? Auch das sorgt manchmal für ganz schön viel Spannung!