Ins Lernunternehmen gestolpert

Hallo Pilzfarm, schön, dich kennenzulernen!

Mit diesem Blog möchte ich mein Erleben in dieser Anfangsphase beschreiben und festhalten, was ich über mich, was über Pilze und was über das Lernunternehmen bis zu diesem Zeitpunkt gelernt habe.

About me: Ich stolpere rein in Verpflichtungen, in Projekte. Es ist diese Anfangsstimmung, dieser Aufbruch, der bei mir anklingt und auf Resonanz stösst. Ich mag Neues, ich bin gern dabei, wenn es die Möglichkeit gibt aus der Routine auszubrechen. Wie heisst es so schön bei Hesse? «In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne». Und verzaubert von allem, was abenteuerlich schmeckt, entscheide ich dann manchmal recht schnell. So komme ich in meinem Leben immer wieder zu neuen Herausforderungen und so bin ich jetzt auch Teil des Lernunternehmens. Entschlussfreudig zu sein hat Vorteile: Oftmals kann ich so oder so nicht zuverlässig abschätzen, wie etwas wird. Mir allzu viele Gedanken dazu zu machen, kann also Zeitverschwendung sein. Zudem gibt es fast immer eine Lösung, wenn ich erst einmal unterwegs bin. Und ich komme so an Orte, die ich mir nie ausgesucht hätte. Das ist spannend und lernreich. – Sich von Anfängen betören zu lassen, kann auch nachteilig sein. Plötzlich habe ich sehr viele Verpflichtungen am Hals, die nach der anfänglichen Euphorie dann in einem weiteren Schritt vor allem Arbeit bedeuten. Und nicht immer passt alles optimal zusammen. Ich laufe dann Gefahr, mich zu verzetteln oder muss sehr gut planen, so dass wenig Zeit für Spontanes bleibt.

Es ist ein bisschen wie bei den Pilzen! So lange das Mycel unsichtbar in der Erde wuchert, ist alles kein Problem. Ich giesse ein bisschen, achte auf Licht und Temperatur. Alles kein Ding! Geht ganz nebenher… Aber wenn sie dann alle gleichzeitig aus der Erde schiessen, dann bin ich gefragt. Und dann wird es manchmal ganz schön eng. 😊

Mein Engagement im Lernunternehmen hat noch grad knapp Platz in meinem Alltag und ich habe diese spontane Entscheidung nicht bereut. Es hilft mir allerdings, wenn ich Aufgaben übernehmen kann, die sich flexibel in meinem Alltag unterbringen lassen.

About Pilze: Pilze schiessen raus aus der Pilze-Fertigpackung. Das hat, beim Versuch Zuhause, für viel Freude gesorgt. Es fasziniert mich, wie man den Pilzen beinahe beim Wachsen zusehen kann. Zudem schmecken sie hervorragend. Bisher habe ich Pilze nicht weiter beachtet, nur manchmal gegessen. Mittlerweile habe ich sie fast ein bisschen liebgewonnen.

Diese Lebewesen sind faszinierend; das Pilzuniversum ist gross: • Es gibt Pilze, die uns schmecken und solche, die uns töten. • Es gibt Pilze, die medizinisch eingesetzt werden und solche, die schädlich sind für Mensch und Hausmauern. • Es gibt starke Pilze, die durch Beton an die Oberfläche sprengen und clevere, die sich einen Wirt suchen und sich in dessen Gehirn einnisten. • Es gibt Pilze, die unser Brot grösser und schöner werden lassen und solche, die den Fuss verunstalten. • Kurzum: Pilze sind überall und vielseitig. Und was man sieht, ist nur der kleinste Teil.

Im Effinger sollen die Pilze auf geimpften Kaffeesatz wachsen. Wir möchten aus umliegenden Restaurants Kaffeesatz verwerten und ihn für die Pilzzucht brauchen. Pilzprofis meinen, dass sich nicht jeder Kaffeesatz gleich gut eignet und der Kaffeesatz sollte tagesfrisch sein oder muss getrocknet oder gekühlt werden. Will man zudem Pilze züchten, braucht es einen geeigneten Raum, indem Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Lichtverhältnisse stimmen. Auch muss sehr sauber gearbeitet werden. Es kann nämlich rasch ein anderer, unerwünschter Pilz wachsen: Der Schimmelpilz. Das müssen wir vermeiden. Dies sind Erkenntnisse, die wir durch Recherchen und im Austausch mit einem Pilzzüchter gewonnen haben. Es ist hilfreich, Profis an der Seite zu haben. Einige Anfängerfehler lassen sich so sicherlich vermeiden.

Im Moment schiessen in unserer Pilzfarm statt Pilze also vor allem Herausforderungen aus allen Ecken. Da hilft Gelassenheit, Humor und ab und zu eine Tasse Kaffee. Den Kaffeesatz können wir ja für später schon mal aufheben. 😊

About Lernunternehmen: Die Pilzfarm entsteht in einem Lernunternehmen im Effinger Bern. Als Co-Learner wollen wir gemeinsam Pilze züchten. Uns verbindet jedoch auch, dass wir dabei möglichst viel lernen und anderen in unsere individuellen Lernprozesse Einblick geben wollen. Das Lernunternehmen ist nicht hierarchisch organisiert. Da ist keiner, der den Lead hat oder die einzelnen Schritte durchplant. Wir organisieren und steuern uns als Gruppe miteinander. Vieles entsteht gleichzeitig und durch die Kommunikation untereinander. Rollen und Aufgaben kristallisieren sich heraus, so wie auch jene, die sie übernehmen. Wissen wächst in unterschiedlichen Bereichen parallel und gleichzeitig und wird bewusst miteinander geteilt. Das Lernunternehmen ist dynamisch und flexibel. Der Weg entsteht im Gehen.

Man kann also sagen, dass das Lernunternehmen bereits sehr durchwachsen ist mit einem Mycel aus Wissen, Ideen und Erfahrungen. Wir haben bisher noch keine Pilze gezüchtet, aber man darf gespannt sein, was auf dieser Grundlage noch alles wächst und geerntet werden kann.

Zur Eingangsfrage, weswegen ich Teil bin von diesem Lernunternehmen, nun abschliessend noch die Antwort: • Weil ich bin, wer ich bin: Gerne dort, wo etwas Neues entsteht. • Weil der Pilz ist, was er ist: Faszinierend! • Weil Lernen ist, was es ist: Ein gemeinschaftliches Unternehmen.