Wenn Eltern in die Schule gehen: Zurückhaltung

Im Familienklassenzimmer tragen die Eltern die Verantwortung. Sie sorgen dafür, dass sich ihr Kind an Regeln hält und Anweisungen umsetzt.

Als Lehrerin bin ich mir gewohnt, diese Verantwortung während eines Schulmorgens zu tragen. Umso schwerer fällt es mir, mich zurückzuhalten, nicht den Lead zu übernehmen, Geduld zu üben und den Eltern die Chance zu geben, selbst zu reagieren.

Im Familienklassenzimmer wollen wir die Ressourcen der Eltern und der Kinder wachrufen. Unser Fachwissen ist weniger gefragt. Wir stellen Fragen, wir versuchen anzuregen, auch das Gespräch unter den Eltern. Sie sollen merken, dass sie mit ihren Fragen und Sorgen nicht allein sind. Wir sitzen alle im gleichen Boot.

Die Eltern kennen ihre Kinder und manchmal brauchen sie nur den Mut, auf ihr Herz zu hören. Manchmal braucht es auch ein Anstupsen, eine Aktivierung, eine Erinnerung daran, dass sie gefragt und wichtig sind.

Ich habe rasch Antworten und Lösungsvorschläge bereit und bin mir gewohnt, Ideen einzubringen. Im Familienklassenzimmer übe ich Zurückhaltung. Sie tut mir gut und schult mich darin, das Gegenüber im Blick zu behalten und an seine Möglichkeiten zu glauben. Manchmal haben Menschen erst dann Zugriff auf ihre Ressourcen, wenn es einfach einmal still ist. Wenn eine Lücke entsteht.

Im Familienklassenzimmer ist diese Zurückhaltung Teil des Konzepts. Leere zulassen und zurückhaltend mit Tipps umgehen, das funktioniert jedoch auch sonst ganz gut. Versuchs mal!