Wenn Eltern in die Schule gehen/Umdenken

Im Familienklassenzimmer glauben wir, dass Eltern das beste für ihre Kinder wollen und Teil der Lösung sind, nicht Teil des Problems.

Wir glauben auch, dass Kinder gute Schüler*innen sein möchten.

Und wir sind überzeugt, wir Fachpersonen haben Grenzen und wissen nicht alles.

Das ist radikaler als es auf Anhieb klingt. Wir wissen so wenig voneinander und urteilen so schnell. Gerade wenn sich Kinder im Klassenzimmer problematisch verhalten, kann schon mal der Gedanke aufkommen, dass die Eltern das mit der Erziehung nicht im Griff haben. Oder manchmal lernen wir die Eltern kennen und es erstaunt uns nicht mehr, dass ihre Kinder missraten. Den Kindern hängen wir gerne und manchmal ein bisschen schnell Etiketten wie ASS oder ADHS an.

Wer so denkt, sagt eigentlich, dass die Kinder mit ihren Familien das Problem sind.

Und diese Problemfamilien kommen nachher zu uns ins ELKI. Manchmal sehr gestresst und belastet, immer aber froh für einen Kaffee. Mit einer Tasse in der Hand erfahren wir dann auch, wie streng das Familienleben manchmal ist, wenn Mutter und Vater viel arbeiten müssen, damit das Geld reicht. Wir bekommen Einblick in sehr enge Wohnverhältnisse und grosse Sorgen. Und manchmal braucht es Tost, wenn wir spüren, wie die negativen Rückmeldungen aus der Schule zusätzlich belasten.

Und was beobachten wir im Familienklassenzimmer? Hauptsächlich engagierte Eltern und Kinder, die gefallen wollen. Schöne, lachende Gesichter, wenn wir bei gelungenen Momenten klatschen. Berührende, entspannte Momente, wenn eine Mutter ein Eltern-Kind-Paar bei einer liebevollen Geste beobachtet und sich dann entscheidet, dem eigenen Sohn auch wohlwollender zu begegnen. Oder wenn eine Mama uns die Musik abspielt, die sie gerne hört, um Stress abzubauen und wir dann alle tanzen.

Im Familienklassenzimmer müssen wir umdenken: Wir lösen keine Probleme damit, einen Schuldigen zu suchen. Wir sitzen einfach in diesem Boot, schauen was sich zeigt und suchen Lösungen. Und mit „wir“ meine ich nicht mich und Mirjam. Wir wissen oft auch nicht, was hilft und in der jeweiligen Situation entspannt.

Natürlich ist die Besorgnis von Lehrpersonen manchmal auch berechtigt und ich kenne sehr viele sehr gute und engagierte Lehrpersonen. Trotzdem weiss ich von mir, dass ich oft zu rasch urteile im Verhältnis zu dem, was ich weiss.

Das ELKI ist deswegen auch für mich ein Ort der Entwicklung. Hier sehe ich, dass hinter allem Versagen und allen Problemen schlussendlich Menschen sind, die zuerst einmal gesehen werden möchten, bevor ich mir ein Bild von ihnen mache.

Und ehrlich gesagt: Mir geht es genauso.